Kehraus an der Breiten Loog

Besenbuch

Von der Hohen Loog hinüber zur Breiten Loog: Das ist nicht nur wegen der Namensgleichheit (Loog = Grenze) eine schöne Tour. Zum einen kann man unterwegs gleich zweimal einkehren – in der Totenkopf- und in der Hellerhütte. Zum anderen konnte man bisher zum Abschluss eine ganz ungewöhnliche Felsplatte putzen.

Mit einem Besen, der dort an einem Baumstamm hing und für solche Einsätze stets bereit war. Nach getaner Arbeit durften die Wanderer ihren Putzdienst zudem in das Besenbuch eintragen, das in einem Metallkasten verwahrt wurde. Eine saubere Sache, sollte man denken. Doch jetzt sind Besen und Buch verschwunden, eine Wanderin fragte irritiert: „Ist das schöne Ritual nur temporär oder für immer beendet worden?“

Eigentlich muss man an diesem Ort immer mit allem rechnen. Denn am 25. Juni 1748 gab es dort ein blutiges Gemetzel unter Nachbaren: zwischen Hambachern und Lachenern. Man attackierte – oder verteidigte – sich mit Beilen, Knüppeln und Gewehren; am Ende waren zwei Tote und rund vierzig Verletzte zu beklagen. Den beiden Dörfern gehörte damals gemeinsam ein großes Waldgebiet; wegen der Nutzungsrechte, Pachtzinsen und Holzfreveleien kam es ständig zu Reibereien. Schließlich war das Verhältnis der beiden Gemeinden total zerrüttet.

„Schlagt die Hunde tot“

Wieso aber eskalierten die Streitigkeiten zwischen den beiden Orten genau dort im Wald und an diesem Tag? In der 6 mal 3 Meter großen Felsplatte sind zahlreiche Zeichen und Linien eingemeißelt. Sie markieren bereits seit über 1000 Jahren Grenzlinien. Denn an dieser Stelle, am Breiten Loog, treffen die Gemeindewald-Gebiete dreier Kommunen aufeinander. Ursprünglich waren dies Neustadt, Deidesheim – und eben die damalige Todfeind-Gemeinschaft Hambach/Lachen. An jenem 25. Juni 1748 waren Vertreter dieser Gemeinden zu einer Grenzbegehung aufgebrochen, wie sie alle sieben Jahre erfolgte. Der Kontrollgang endete am Breiten Loog mit einer Rast, für die man Kalten Braten und Wein mitgebracht hatte. Im Verlauf dieser Vesper kam es dann zu den folgenschweren Tumulten, Augenzeugen berichteten: Die Lachener seien mit dem Feldgeschrei „Schlagt die Hunde alle tot!“ auf die Hambacher losgegangen.

Die Felsplatte mit den Inschriften und Grenzzeichen
Die Felsplatte mit den Inschriften und Grenzzeichen

275 Jahre ist dies nun her. Die Zeit hat Wunden geheilt. Auch die imposante Grenzplatte schien zeitweise in Vergessenheit zu geraten, Zeichen und Markierungen waren verwittert, abgetreten und so fast unkenntlich geworden. Zudem verschwand die Felsplatte zunehmend unter Moder, Moos, Wurzelgeflecht und Laub.

Eine Tafel an der Breiten Loog zeigt, was auf der Felsplatte alles eingemeißelt wurde.
Eine Tafel an der Breiten Loog zeigt, was auf der Felsplatte alles eingemeißelt wurde.

Mehrfach gab es allerdings Säuberungsaktionen, bei denen auch teils die Schrift wieder lesbar gemacht wurde: so 1829, 1936, 1972 und zuletzt 2002. Damals hatte der Lambrechter Förderverein „Sauerbrunnen-Denkmalpflege“ mit Unterstützung der Feuerwehr die Platte wieder freigelegt, Schriften und Zeichen wurden restauriert. Und es kamen Besen an die Breite Loog, um die Platte künftig – wie es auf dem Deckel der Besenbuch-Box steht – „blank und rein“ zu halten.

Deshalb kam der Besen weg

Und so griffen die Wanderinnen und Wanderer seitdem immer wieder zum Besen. Doch jetzt soll damit Schluss sein. „Es findet sich niemand mehr bereit, die Platte mit Besen und Buch zu versorgen, eine Tradition vieler Jahre geht verloren“, sagt der Vorsitzende des Sauerbrunnen-Vereins Günther Greb. Der Verein hatte sich allerdings schon zuvor aus der Besenbewirtschaftung zurückgezogen, wie es beim PWV Lambrecht heißt. Dort fanden sich zunächst noch Mitglieder, die den Brauch am Breiten Loog aufrechterhielten. Doch auch dies fand nun ein Ende. „Diesen freiwilligen Dienst haben wir inzwischen eingestellt, weil wir befürchten, dass durch die immer intensiveren (häufigen) Kehrtätigkeiten die Inschriften verblassen und nicht mehr lesbar sind. Dann wäre wieder ein Kulturdenkmal vernichtet“, teilte der Pfälzerwald-Verein Lambrecht mit. Die Besen seien deshalb entsorgt worden, das Besenbuch wurde dem Lambrechter Stadtbürgermeister übergeben. Ein kompletter Kehraus also am Breiten Loog … (ros)

Über Besen und Besenbuch wurde auch in der Presse berichtet.
Über Besen und Besenbuch wurde auch in der Presse berichtet.

So kommt man zur Breiten Loog: Ab dem Naturfreundehaus Heidenbrunnental mit der Markierung „weißer Punkt“ 2,5 km bergan zum Kaisergarten. Von dort sind es noch 300 Meter zur Breiten Loog (ausgeschildert). Oder von der Hellerhütte mit der Markierung „blaugelber Balken“ in Richtung Kaisergarten nach Norden – nach 2,5 km erreicht man die Breite Loog.

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